Archiv für Januar 2008

Konzert versinkt in braunem Matsch

Am 27. Dezember fand in Hetschburg, einem Ortsteil von Bad Berka, das »Fucking-Christmas Fes­tival« statt. Dies ist ein Bandfestival, bei dem seit 2002 jährlich Bands aus der Region auftreten.
Schon in den vorangegangenen Jahren waren hier vermehrt Personen zu sichten, die der rechtsradi­kalen Szene zuzuordnen sind.

Dieses Jahr jedoch zog die Veranstaltung von Haufeld (einem kleinen Ort hinter Blankenhain) nach Hetschburg in der Nähe von Bad Berka um. Trotz des Ortswechsels, über den sich viele Besucher_innen und Stammgäste beschwerten, war das Konzert gut besucht. Doch dies lag nicht an den Besucher_innenn die der Standard-Zielgruppe eines solchen, hauptsächlich Punk- und Metal-geprägten Konzertes entsprechen. Im Laufe des Abends trafen immer mehr Nazis inklusive ihres Anhanges ein.

Was diese Gestalten auf einem Konzert zu suchen haben, deren Bands und Veranstalter_innen sich ausdrücklich gegen Rechts positionieren bleibt ungewiss.
Möglicherweise lag der Sinn in einer gezielten Provokation, mit dem Wunsch der maßlosen Eskalation.
Es könnte allerdings auch sein, dass die Kamerad_innen aus Blankenhain, Rudolstadt, Saalfeld und dem gesamten Umland von schier endloser Langeweile in ihrem braunen Sumpf geplagt sind und deswegen mittlerweile sogar solche Konzerte besuchen.
Schätzungen zufolge hielten sich an diesem Abend zwischen 50 und 70 Rechtsradikale und Perso­nen, die mit deren Ideologien sympathisieren am Veranstaltungsort auf.
Heraus stachen mehrere Blankenhainer Nazis, die sich offen in ihren Kameradschafts-T-Shirts zeigten, Personen mit Blood&Honour-Tattoos, Ketten mit Triskelen oder Thor’s Hammer.
Thor-Steinar Jacken-Träger_innen waren in dieser Szenerie noch das geringere Übel, da sie hier größtenteils nur als Mitläufer oder Nachwuchs einzustufen waren.

Aufgefallen ist an diesem Abend vor allem Sascha Kirsch (Kameradschaft Blankenhain und JN).

Wie die Veranstalter_innen solchen Besucher_innen Einlass gewähren konnten, ist uns unklar. Auch wenn sie sich politisch nicht klar äußern, so ist die Werbung für die »Kein-Bock-Auf-Nazis-Kampagne« auf ihrer Homepage (www.bus-musik.de) und ein solches Nazi-Aufkommen nicht vereinbar. Erklärungsraum bietet sich jedoch in der Security-Mannschaft. Das diese eindeutig dem rechten Spektrum zuzuordnen ist, war nicht nur an Aufnähern wie »Hatewear« unverkennbar. Sogar freundschaftlich wurde da manch bekannter Nazi begrüßt.

Armes Braunes Weimarer Land. Wenn sich alternative Jugendkulturen nicht einmal auf einem Kon­zert sicher fühlen können, auf dem sich Bands gegen Rechts aussprechen, wo überhaupt dann?!
Bleibt uns etwa nur die Flucht in Städte wie Erfurt, Jena und Weimar?!

Wir sagen »NEIN!« – Kampf dem braunen Sumpf, bevor die Provinz darin versinkt!