Archiv für Februar 2008

Impaled Nazarene auf dem Party San Open Air 2008

Auf dem diesjährigen Party San Open Air wird die finnische Metal Band »Impaled Nazarene« auftreten.
Die Band fiel in der Vergangenheit durch antisemitische und homophobe Texte auf und löste so eine große Kontroverse bis weit über die Metalszene hinaus aus.
Aus diesem Anlass haben wir einen offenen Brief an die Veranstalter des Festivals verfasst, welcher hier nachlesbar ist.

Trotz dieses Protests hält das Veranstalterteam weiterhin am Auftritt der Band fest.
Im persönlichen Gespräch versicherte Veranstalter Mario Flicke (»Mieze«) jedoch, dass die Band, deren Name soviel wie »gepfählter Nazarener« bedeutet, keine ihrer alten Lieder spielen wird und nur die Lieder ihres neuen Albums promoten wird. Desweiteren hat sich die Band auf seine Anfrage hin nocheinmal klar von den kritisierten Texten distanziert.

Es bleibt zu hoffen, dass die Band diese Distanzierung auch ernst meint und ihre menschenverachtenden Ideologien abgelegt hat.
Metal sei eine Musikrichtung, in der sogenannte »Provokationen« an der Tagesordnung sind, bestätigte auch Mieze.

Das Aussagen wie von »Impaled Nazarene« als pure Provokation gewertet werden, stimmt dennoch nachdenklich…

Zur Situation im Weimarer Land

Wir dokumentieren eine Pressemitteilung von »Cultures Interactive« zur Situation in Weimarer Land:

Aus Thüringen kommt weniger als man denkt – kein Geld gegen Rechtsextremismus im Weimarer Land!

cultures interactive investierte 30.000 Euro allein in den letzten vier Monaten des Projekts KulturRäume2010 ins Weimarer Land und erreichte mehr als 400 Jugendliche und über 50 Lehrer/innen.

cultures interactive setzt Jugendliche in Szene, die aktiv politisch tätig werden und ihr Lebensumfeld demokratisch und tolerant mitbestimmen wollen. Und dies sehr erfolgreich!
In vier Orten des Weimarer Landes gibt es bereits sieben Projekte, die von etwa 30 Jugendlichen mit der Unterstützung von cultures interactive vorangetrieben werden.

In Bad Berka gestaltet eine Jugendgruppe eine Umfrage über die Verhältnisse am Ort zum Thema
Rechtsextremismus und plant eine Zukunftskonferenz.
In Kranichfeld arbeiten Jugendliche an einer CD mit Musik gegen Rechtsextremismus.
In Apolda trifft sich eine kleine Gruppe regelmäßig zum Break- und Streetdance-Tanzen, außerdem wird gemeinsam mit dem Jugendparlament gegen Rechtsextremismus gearbeitet.

Des Weiteren veranstaltet cultures interactive gemeinsam mit dem Fanprojekt Jena eine Street-Soccer-Tour durch das gesamte Weimarer Land.

Am Mittwoch, den 13. Februar findet nun eine weitere Aktion von Jugendlichen in Blankenhain statt, die sich dort um den Bau eines Skateparks und die Nutzung von Räumlichkeiten für Parties, Proben und Konzerte bemühen.
Um 11 Uhr wird es ein Treffen der Jugendlichen mit dem Bürgermeister Herrn Kellner und sowie dem Bauamt geben. Es sollen verschiedene Orte besichtigt werden, wo der Skatepark gebaut werden könnte. Vorher wird das Treffen ab 9 Uhr in der Regelschule Blankenhain vorbereitet. Um 13 Uhr fahren die Jugendlichen dann gemeinsam nach Weimar zu der Skatehalle „Klock11“, um sich mit den dortigen Ansprechpartnern darüber auszutauschen wie man eine Skatehalle baut und in Stand hält. Zur Abrundung des Tages wird ein Skateboard- und DJWorkshop mit cultures interactive im „Klock11“ stattfinden.

Obwohl cultures interactive mit Hilfe des Bundesfamilienminsteriums mittlerweile knapp 30.000 Euro in die Region Weimarer Land investierte und sich der Druck von Seiten des Ministeriums auf Kofinanzierung erhöht, gibt es immer noch keinerlei Unterstützung vom Kreis Weimarer Land. Einzig die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen unterstützt das Projekt.
Die wiederholte Anfrage des Projektleiters Peer Wiechmann über ein Kooperationsgespräch mit dem Landrat wird nicht einmal beantwortet. Mit der CDU im Weimarer Land findet nun ein erster gemeinsamer Termin statt. Doch SPD und FDP verhalten sich bisher sehr bedeckt. Das Land Thüringen sowie der Kreis Weimarer Land zeigen sich bisher wenig kooperativ. „Das ist sehr schade“, sagt dazu Projektleiter Wiechmann, „und man fragt sich, wo dieses Jahr die 345.000 Euro gegen Rechtsextremismus in Thüringen eigentlich hingehen – unser Antrag über lediglich 15.000 Euro wurde jedenfalls gänzlich abgelehnt“.

Es wird Zeit, dass die Denkfabrik Thüringen anfängt auch ans Weimarer Land zu denken! Schließlich hat sich dort ein harter Kern der rechtsextremen Szene Thüringens festgesetzt wie sich jüngst am Faschingswochenende in Apolda einmal mehr zeigte als 29 Nazis festgenommen werden mussten.
Peer Wiechmann wird sich vom 07. bis 13. Februar 2008 für diverse Termine
im Weimarer Land aufhalten und steht gern für Interviews zur Verfügung. Für
weitere Absprachen und Informationen:

cultures interactive, tel: 030 60 40 1950, 0176 48 25 70 41,
wiechmann@cultures-interactive.de

»Hier gibt es keine Nazis!« – »Ach ja?!«

Übergriffe und Ereignisse in Weimar und dem Weimarer Land – Eine Drei-Tages-Bilanz.

Dies ist ein kurzer Tatsachen-Bericht. Er handelt von den Tagen Samstag, dem 2. Februar bis Montag, dem 4. Februar 2008. Wir wollen aufzeigen, was es für Jugendliche, die sich Rechtsextremismus entgegenstellen heisst, hier – in Weimar und dem Weimarer Land – zu leben.

Am späten Montag Abend zeigte sich zum wiederholten Male, dass die Straßen des Weimarer Landes für Jugendliche, die nicht den »Normen« von Neonazis entsprechen, gefährlich sind. Nachdem in den letzten zwei Monaten alternativ aussehende Jugendliche teilweise durch Blankenhain, Tannroda und andere Städte vefolgt und beschimpft wurden, eskalierte die Situation gestern beinahe.

Zwei Jugendliche wurden von einer Gruppe, ausländerfeindliche-parolen-krackelender junger Männer verfolgt. Hier dazu das Gedächtnissprotokoll:
»Es war Montag Abend. Gerade war das Spiel Aachen gegen Jena abgepfiffen woden. Wir waren zu zweit und wollten noch einen Döner essen gehen. Als wir gegen 23:30 auf dem Rückweg zu meinem Freund M. waren liefen wir am ehemaligen Gymnasium vorbei. Als wir in Höhe der Turnhalle angekommen waren merkten wir plötzlich, dass etwa sieben Leute hinter uns herliefen, schätzungsweise 18 bis 21 Jahre alt. Schnell merkten wir, dass es sich hierbei um den älteren Sohn des Tankstellenbesitzers (Knabe), und einige seiner Freunde handelte. Bis auf zwei Personen hatten Sie alle Springerstiefel an. Auf einmal beschleunigten sie ihre Schritte, langsam aber stetig. Sie fingen an hinter uns her zu rennen und Parolen zu rufen wie „Ausländer raus“. Wir nahmen daraufhin die Beine in die Hand und entkamen nur knapp über viele Umwege, Gärten und Hinterhöfe zu meinem Freund nach Hause. Wir wollen uns gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn uns die Nazis eingeholt hätten.
Was die Rufe sollten ist uns unklar, da weder mein Kumpel noch ich migrantischen Hintergrund haben.«

Einige Stunden vor dieser polizeilich nicht erfassten Aktion Blankenhainer Nazis, gab es auch einen Vorfall in Weimar.
Ein Punker wurde gegen 20:00 Uhr miten auf dem Theaterplatz von drei Nazis – einer davon in eindeutiger Problemkinder-Kluft – tätlich angegriffen. Er wurde festgehalten, an den Haaren gerissen, mit dem Knie in den Bauch und gegen den Kopf getreten.
Warum Bürger_innen dem jungen Mann nicht halfen, ist uns unklar.
Wenn Faschisten auf offener Straße, auf einem öffentlichen Platz – der repräsentativ für die Weimarer Republik und das daraus resultierende 3. Reich steht – Menschen Gewalt antun können, ohne dass auch nur ein Mensch Zivil-Courage zeigt in was für einer Welt, was für einem Land leben wir dann?!
Glücklicherweise konnte sich das Opfer auch ohne Hilfe losreißen und mit blutigem Gesicht in das Sozio-Kulturelle Zentrum Gerberstraße flüchten.

Gehen wir noch zwei Tage zurück. Ein zweites Gedächtnissprotokoll:
»Es ist Samstag, wir sind in Apolda. Es ist der Tag, an dem sich der »Krawallfasching« zum ersten Mal jährt. Wir sind zu dritt und laufen unaufällig in Kostüme gekleidet durch die Kreisstadt. Wären wir so losgelaufen wie normalerweise, wir wären nicht heil am Marktplatz angekommen. Doch so können wir sehen, wie Apolda an diesem „bunten“ Tag des Faschingsumzugs aussieht – oder sollten wir besser sagen »Faschistenumzug«?! Natürlich sind auch Familien mit Kindern und Großmüttern da, doch geprägt ist das Stadtbild von Thor-Steinar-Träger_innen, Problemkinder-Logo-Vorfüher_innen und diversen anderen zwilichtigen Gestalten. Wenig später trauen wir uns unkostümiert durch Apoldas Straßen, aber nur aufgrund der Tatsache, dass an beinahe jeder Straßenecke Polizisten stehen und nur auf den Beginn des »Krawallfasching-Reloaded«, wie er im Vorfeld angekündigt worden war, warten. Ausser einigen Pöbeleien, gezückten Foto-Apparaten und dummen Bemerkungen geschah uns nichts. Doch nach dem Zeitungslesen am Montag fällt auf: Es hätte schlimm aufgehen können.«

Am gleichen Abend wurde eine junge Antifaschistin in Blankenhain von einigen Neonazis an der bereits genannten Tankstelle des Betreibers Knabe angepöbelt. An den Scheibenwischern ihres Autos fand sie nach dem Zahlen Anti-Antifa-Aufkleber.

Angesichts dieser Tatsachen bleibt die Feststellung, dass in der provinziellen Region rund um Weimar eine latent rechte und rechtsextreme Vorherrschaft existiert. Trotz zahlreicher Initiativen, wie zum Beispiel Bürgerbündnissen in Weimar und dem Weimarer Land gelingt es nicht, der extremen Rechten ihre Handlungsgrundlage zu entziehen. Das beweist das Mobilisierungspotential, welches rechstextreme Gruppierungen hier vorweisen können.

Es muss ein handlungsfähiger antifaschistischer Widerstand etabliert werden um eine effektive Behandlung des Problems gewährleisten zu können. Dazu ist es allerdings erforderlich, dass alle Teile der Gesellschaft aufhören das Problem aus Gründen der Standortsicherung zu leugnen und ihm so Vorschub zu leisten. Es gilt die Problematik zu erkennen und zu bekämpfen – auf allen Ebenen.

In diesem Sinne:
Rechte Hegemonien brechen!
Kein Fußbreit für Antisemiten, Rassisten und Faschisten!

Braune Hunde in der »Dackelbar«

In den letzten Wochen und Monaten kam es zu erhöhten Nazi-Aktivitäten in der Gegend um Blankenhain, Bad Berka und Kranichfeld. Nennenswert als Hauptbrennpunkte sind hauptsächlich der Jugendclub in Blankenhain, der Parkplatz des REWE-Marktes in Bad Berka und die Gastronomie-Betriebe »Am Fuchsbau« (Bad Berka) und »Dackelbar« (Tannroda).
Im Folgenden wollen wir einiges zum Tannrodaer Nazitreffpunkt erläutern.

Die »Dackelbar« ist eine nicht sehr einladend wirkende, kleine Kneipe in der Rudolstädter Straße in Tannroda, die sich in einem umgebauten Einfamilienhaus befindet.
Sie wird äusserst oft von Mitglieder_innen der Kammeradschaft Blankenhain (z.B. Sascha Kirsch und Michael Cyriax) sowie JN (Jungen Nationaldemokraten) und NPD Funktionär_innen besucht.
So wird dort des öfteren über rechtsradikales Gedankengut diskutiert und es werden eindeutig verfassungswidrige Parolen skandiert.

Desweiteren kann dort jeder_jede Besucher_in Rechtsrock von einschlägig bekannten Bands wie »Division 28 Deutschland«, »SKD« oder »Landser«, die bereits im März 2005 – als erste Band Deutschlands – als kriminelle Vereinigung vom Bundesgerichtshof Karlsruhe rechtskrätig verurteilt wurde, lauschen. Die Lieder der Bands besitzen eindeutig verfassungswidrige Aussagen, was die Betreiberin der Lokalität nicht zu stören scheint.
Als Gastwirtin muss sie das ominöse Treiben in ihrer Kneipe mitbekommen , akzeptieren und tolerieren. Anscheinend wird es von ihr jedoch nicht nur toleriert, sondern sogar gefördert. Sogar die Dekoration und Raumgestaltung ist stark vom rechten Spektrum geprägt, was eindeutig in den Zuständigungbereich der Wirtin fällt.

Die Kneipe an sich ist ein ehemaliges Kinderzimmer und ein kleiner Anbau, der vor einigen Jahren entstand. Die Fläche beläuft sich auf ein kleines Areal von ca. 50 m², womit zum Leidwesen der Beteiligten nicht allzuviele „Kamerad_innen“ Platz finden dürften.
Trotzdem möchten wir darauf hinweisen, dass diese Lokalität das Aktionspotenzial der örtlichen Naziszene erheblich steigert. Rechtsextremist_innen wird hier ein Raum zugestanden, der dabei behilflich ist, demokratie- und freiheitsfeindliche Veranstaltungen zu organisieren.

Wir fordern die Öffentlichkeit dazu auf, sich selbst ein Bild dieses faschistischen Nestes zu machen. Wir wollen hiermit die Existenz eines rechten Freiraums öffentlich machen, dass dieser zeitnah ein sein Ende finden möge.

Keine Duldung der faschistischen „Freiräume“ – Nazizentren dicht machen!