Kurzform unseres Selbstverständnisses
Stand: April 2008

“Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung.
Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.”

(aus dem Schwur von Buchenwald)

Wir, die Antifaschistische Aktion Weimarer Land [AAWL] haben es uns zum Ziel gesetzt, gegen den sich, vor allem im provinziellen Raum, etablierenden Neofaschismus vorzugehen.

Im Schatten größerer Städte entwickelt sich schon seit Langem eine jugendkulturelle Hegemonie auf rechtsextremer Seite.
Diese ist entgegen vieler Behauptungen und Erklärungsversuche nicht unmittelbar abhängig von der wirtschaftlichen und sozialen Situation – etwa der (Jugend-)Arbeitslosigkeit –, sondern entsteht durch eine Situation, in der rechtsextreme Kameradschaften und deren Umfeld durch ihr Gewaltpotential und ihre öffentliche Präsenz Druck auf nicht-rechte oder alternative Jugendliche ausüben, die aus Angst ihre Individualität aufgeben, nicht mehr in Erscheinung treten oder sich teilweise sogar rechten Gruppen anschließen.
Die so entstehende und stetig wachsende Verankerung von rechtem und rechtsextremen Gedankengut innerhalb der Jugend macht agierende Gruppen nahezu unangreifbar und so können sie ihre Vormachtstellung weiter ausbauen. Diesen Teufelskreis gilt es durchbrechen!
Dort, wo sich solche Zustände entwickeln sucht mensch leider oft vergebens nach antifaschistischen Strukturen. Deshalb haben wir es uns zu Aufgabe gemacht dieser jugendkulturellen Monopolstellung einen effektiven und handlungsfähigen Widerstand entgegenzusetzen.

Wir solidarisieren uns mit allen Betroffenen rechter Gewalt und wollen als Ansprechpartner_innen für Betroffene fungieren.

Unsere Solidarität gilt Migrant_innen, welche ebenso potentielle Opfer neonazistischer Gewalt sind und daneben oft auch staatlich-rassistischer Repression ausgeliefert sind.
Dies Repression ist unter anderem das Ergebnis einer rassistischen Asylgesetzgebung, welche 1993 als Konsequenz aus den Progromen in Rostock-Lichtenhagen erlassen wurden. Diese Gesetzgebung – das heißt die Abschaffung des Grundrechtes auf Asyl – zeigt, wie mit dem Problem des Rechtsextremismus in der BRD umgegangen wird. Anstatt sich mit den Täter_innen und ihren Taten auseinanderzusetzen wurden kurzerhand Migrant_innen zum Kern des Problems erklärt.

Antifaschistische Politik darf sich unserer Meinung nach nicht nur auf öffentliche Veranstaltungen wie Nazidemonstrationen oder -infostände, deren Verhinderung unser Ziel ist, oder auf die Beschäftigung mit Neonazis im öffentlichen Raum beschränken.
Die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft muss ebenso kritisiert werden, da die von ihr aufgebauten und ständig reproduzierten Zwänge eine Emanzipation, also eine Gleichstellung aller Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht unmöglich machen.
Die Maxime der bürgerlichen Gesellschaft ist bis heute die Unterordnung. Beweis dafür ist die bedingungslose Identifikation des Individuum mit dem Staat beziehungsweise der Nation, welche bis heute ungebrochen ist. Die Machtstruktur des Staates wird von der bürgerlichen Gesellschaft nicht in Frage gestellt und Fehlentscheidungen höchstens als »nicht im Sinne des Volkes« gewertet.
Durch die Funktionsweise der bürgerlichen Gesellschaft, welche sich in Hierarchien und patriarchalen Machtstrukturen zeigt, wohnt ihr inne immer wieder faschistische Tendenzen zu produzieren.
Das Ziel muss eine Gesellschaft frei von Zwängen und Machtstrukturen sein, die jedem Menschen die Möglichkeit gibt sich frei zu entfalten und je nach Möglichkeit tätig zu sein.

Diese Machtstrukturen setzen sich in der kapitalistischen Produktionsweise fort. Der Mensch wird in dieser zum unmündigen Subjekt, dessen Bedürfnisse und Möglichkeiten eine untergeordnete Rolle spielen. Auch die Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns rückt in den Hintergrund. »Wer leben will, muss arbeiten!« heißt die Parole, die allumfassend für alle gelten soll.
Da allerdings durch technischen Fortschritt und marktrationale Planungen nicht alle Menschen Arbeit finden manifestiert sich ein Leistungsprinzip, welches Menschen kategorisiert, zu unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen zwingt und ebenso rassistische Auswüchse à la »Arbeit nur für Deutsche« schürt.

Wir definieren uns gegen jede Form von Unterdrückung. Im speziellen gegen Sexismus, Antisemitismus, Faschismus, Rassismus.